Mehr als 30.000 Menschen, so die Organisation, sind seit 2014 im Mittelmeer zwischen Libyen und Lampedusa, zwischen Tunesien und Italien elend ertrunken.
Mechthild Großmann, Bjarne Mädel, André Kaczmarczyk, Oliver Mommsen, Peter Kurth, und Daniel Sträßer gaben Berichten von Geflüchteten ihre Stimme, um so auf die Menschenrechtsverletzungen und die humanitäre Notlage von Flüchtenden auf dem Mittelmeer aufmerksam zu machen. Die Prominenten engagieren sich ehrenamtlich auf der Bühne. Musikalisch begleitet wird die szenische Lesung von dem palästinensisch-syrischen Pianisten Aeham Ahmad, Preisträger des „Internationalen Beethovenpreises für Menschenrechte“.
Es gibt Berichte über die brutalen Methoden der sogenannten libyschen „Küstenwache“, wie sie Flüchtende auf deren gebrechlichen, für die Hochsee völlig ungeeigneten Booten nach Libyen zurücktreibt. Menschen werden dabei geschlagen, auch Schwangere, es gibt Berichte von Schüssen auf Schwimmende.
Gegen alle internationalen Regeln
Die Praxis der Libyer widerspricht allen Gesetzen und Regeln der internationalen Seefahrt, las auch Bjarne Mädel sichtlich sauer vor. Mensch in Seenot müssen von jeder Schiffsbesatzung gerettet werden. Doch aus etlichen Videos, die auch im Fernsehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gezeigt wurden, war deutlich zu sehen, wie Libysche Schiffe teils defekte Schlauchboot abdrängen.
Der Junge Mohamed (ein Überlebender), berichtete: „Wir sind durch die Hölle gegangen und haben Angst, wieder daran zu denken. Wir wollen nicht zurückgehen. Wenn man die Hölle sehen will, muss man nach Libyen gehen. Es ist eine echte Hölle in Libyen.“
Mechthild Großmann liest Berichte vor von jungen Frauen und Müttern vor, die in tunesischen und libyschen Gefängnissen, mit 500 Mensch in einem Raum, unter unmenschlichen Bedingen inhaftiert wurden.
Es fällt schwer, nach einer solchen Lesung der engagierten Schauspieler*innen ihnen Beifall zu spenden. Klar wurde, dass die EU die libysche „Küstenwache“ zumindest mit finanziert, die nachweislich Menschen auf See gefährdet und der Pflicht zur Rettung zumindest in Teilen nicht nachkommt. Italiens rechte Regierung unter Giorgia Meloni hat Lager in Albanien finanziert, in denen Geflüchtete von Italien ferngehalten werden sollten.
Eine der tödlichsten Fluchtrouten der Welt
Das zentrale Mittelmeer ist eine der tödlichsten Fluchtrouten der Welt. Jährlich sterben Tausende Menschen an Europas Außengrenze bei dem verzweifelten Versuch in Sicherheit zu gelangen. Die Europäische Union, deren Gründung auf dem Streben nach Frieden basiert und die sich als Hüterin humanitärer Werte bezeichnet, entzieht sich der Verpflichtung zu retten. Bewusst lassen die EU und ihre Mitgliedsstaaten die Schutzsuchenden im Stich. Die Zahl der Ertrunkenen – über 30.000 in den vergangenen 10 Jahren – wie auch der Menschenrechtsverletzungen und anderer Rechtsbrüche nehmen zu: Das Mittelmeer ist nicht nur Massengrab, sondern auch Tatort, so SOS Humanity.
Die Organisation, die nach eigenen Angaben insgesamt 34.631 Kinder, Frauen und Männer vor dem Ertrinken gerettet hat, finanziert sich aus Spenden. Auch das 60 Meter lange Rettungsschiff „Humanity 1“ wird inklusive Besatzung aus Spenden finanziert. Es ist ein ehemaliges Forschungsschiff von 1976, das von „Sea watch“ und der evangelischen Kirche ersteigert und zeitweise finanziert wurde.
Infos und Spendenmöglichkeit unter
https://sos-humanity.org/spenden/
SOS Humanity , gegründet 2015 in Berlin als SOS Méditerranée Deutschland, ist seit 2016 im zentralen Mittelmeer im Einsatz. „In dieser Zeit haben wir als Teil des europäischen SOS Méditerranée-Verbundes insgesamt 34.631 Kinder, Frauen und Männer vor dem Ertrinken gerettet und an einen sicheren Ort gebracht,so die Organisation. SOS Humanity wird überwiegend aus Einzelspenden finanziert. Außerdem gibt es eine Unterstützung von Mitgliedsorganisationen des Bündnisses Aktion Deutschland Hilft (ADH), der Deutschen Postcode Lotterie, der UNO Flüchtlingshilfe, von United4Rescue und vielen mehr.“